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Menschenhandel

Menschenhandel ist eine komplexe Problematik, die sich im nationalen, europäischen und vor allem internationalen Kontext abspielt. Wir begreifen Menschenhandel als eine extreme Form der Ausbeutung, die häufig – aber nicht ausschließlich -  im Zusammenhang mit Migration von Frauen und Männern steht.

Der KOK sieht Menschenhandel im Kontext von Migrationsprozessen, weltweiter Armut, wirtschaftlichen Krisen und ethnischen Konflikten sowie politisch-ökonomischen Umbruchprozessen.

Immer mehr Menschen sind in die internationale Arbeitsmigration involviert und können dabei Opfer von struktureller, psychischer und physischer Gewalt werden. Ihre oft unsichere rechtliche und soziale Position sowie der Druck, durch Migration ihr eigenes Leben und das ihrer Familie sichern zu müssen, werden dabei gezielt ausgenutzt. Im Bereich Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, aber nicht nur dort, spielen weiterhin Geschlechterhierarchien und Gewalt gegen Frauen eine große Rolle. So können Migrant*innen Betroffene von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung oder Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung oder weiterer Formen des Menschenhandels und der Ausbeutung werden. Aber auch Menschen, die in Deutschland leben, können von Menschenhandel betroffen sein.

Die Täter*innen erzielen teils große Gewinne und die Betroffenen stehen vor vermeintlich unüberwindbaren Hindernissen, wenn sie versuchen, ihre Rechte einzufordern.

„Menschenhandel in Deutschland aus EU Perspektive“

Ein Interview mit Naile Tanis und Margarete Muresan für das Dossier „Welcome to Germany“ der Heinrich Böll Stiftung. http://heimatkunde.boell.de/dossier-menschenhandel

„Menschenhandel in Deutschland“

Ein Interview mit Naile Tanis und Margarete Muresan für das Dossier „Welcome to Germany“ der Heinrich Böll Stiftung. http://heimatkunde.boell.de/dossier-menschenhandel

Begriffsklärung

Vor dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte der Fachberatungsstellen und es KOK, die ihre Wurzeln oftmals in der Frauenbewegung und anderen politischen Bewegungen der 80er Jahre haben, lag der thematische Schwerpunkt der Arbeit lange Zeit auf Frauenhandel und auf von Gewalt betroffenen Frauen.

Der KOK hatte sich bei seiner Entstehung entschieden, den Begriff Frauenhandel dem des Menschenhandels vorzuziehen, da von juristischem Standpunkt aus gesehen, dieser Begriff wesentlich weiter reichte als die deutsche Gesetzgebung den Straftatbestand des Menschenhandels bis vor einiger Zeit fasste.
Mittlerweile gab es aber in der Praxis und auch rechtlich einige Entwicklungen:
Im Jahr 2005 wurden sowohl Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung als auch Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung als Straftatbestände in das Strafgesetzbuch aufgenommen (§§ 232, 233 ff. StGB).

Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer (2011/36/EU) durch Deutschland und der damit einhergehenden umfassenden Reform der strafrechtlichen Regelungen zu Menschenhandel und Ausbeutung im Jahr 2016 wird der Begriff Menschenhandel nun im Strafrecht anders gefasst.
Nach der neuen Systematik des Strafrechts wird der Begriff Menschenhandel nun an das internationale Verständnis angepasst und verändert seine bisherige strafrechtliche Bedeutung in Deutschland. Es macht sich diejenige Person des Menschenhandels strafbar, die eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder Hilflosigkeit, die mit dem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, anwirbt, befördert, weitergibt, beherbergt oder aufnimmt, um sie auszubeuten. Bei Personen unter 21 Jahren muss keine Zwangslage oder Hilflosigkeit ausgenutzt werden. Die tatsächliche Ausbeutung durch eine Beschäftigung, Betteltätigkeit oder Begehung von mit Strafe bedrohten Handlungen wird unter Ausbeutung der Arbeitskraft erfasst (§233 StGB – neu).
Das Gesetz trat am 15.10.2016 in Kraft.

Der KOK verwendet auch weiterhin die Begriffe Menschenhandel und Ausbeutung um die gesamte Komplexität des Phänomens darzustellen. Sprechen wir von Menschenhandel meinen wir dies nicht im Sinne der nun gültigen und oben dargestellten Regelung im StGB.
Die Bereiche Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, zur Arbeitsausbeutung und andere Formen des Menschenhandels sowie der Ausbeutung, auch unterhalb der Schwelle der Straftatbestände zu Menschenhandel, werden zunehmend in ihrer Gesamtheit und nicht mehr scharf voneinander getrennt betrachtet, da die Praxis gezeigt hat, dass in vielen Fällen Gemeinsamkeiten bestehen und die Übergänge oft fließend sein können.
 
Menschenhandel liegt unseres Erachtens nach vor, wenn Personen mittels Täuschung, Drohungen, Gewaltanwendung angeworben werden und im Zielland zur Aufnahme und Fortsetzung von Dienstleitungen und Tätigkeiten gebracht oder gezwungen werden, die ausbeuterisch oder sklavenähnlich sind, d.h. ihre verbrieften Menschenrechte verletzen.

Dabei muss die Anwerbung nicht unbedingt im Ausland erfolgen, sondern das Ausnutzen der Hilflosigkeit der Menschen im Zielland fällt auch unter den Begriff Menschenhandel.

Kernelemente sind vielmehr Nötigung, Zwang und Täuschung. Der Zwang kann verschiedene Formen annehmen. Er kann durch direkte physische Gewalt oder durch Androhung derselben, Erpressung, unrechtmäßiges Einbehalten von Dokumenten und verdientem Geld, Raub, Isolation und Betrug ausgeübt werden. Auch das Ausnutzen einer hilflosen Lage z. B. aufgrund des Aufenthaltes im Ausland, der Autoritätsmissbrauch und die Schuldknechtschaft sind Formen des Zwangs bei Menschenhandel und Ausbeutung.

Der KOK wird gefördert vom

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Der KOK unterstützt das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen.
Nähere Informationen hierzu finden Sie unter
https://www.hilfetelefon.de

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