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Frauenhandel in die Arbeit

Wir unterscheiden zwischen Menschen-/Frauenhandel und den verschiedenen Formen der Frauenmigration, die nicht unter Bedingungen von Zwang, Täuschung, Ausbeutung oder Gewalt ablaufen und dennoch oft prekäre Lebenssituationen für Frauen bedeuten. Frauen und Mädchen sind immer stärker in die nationale und internationale Arbeitsmigration involviert. Frauen stellen nach International Labor Organization (ILO) mittlerweile die Hälfte der ca. 100 Mio. Arbeitsmigrantinnen weltweit dar. 

Sie sind vor allem in der Landwirtschaft, im Haushalt und im Unterhaltungssektor tätig. Zwar schafft dieser Umstand für Frauen neue Verdienstmöglichkeiten, gleichzeitig sind aber einige der migrierenden und zum Teil illegalisierten Frauen mit extremen Arbeitsbedingungen konfrontiert. Diese bergen gesundheitliche Beeinträchtigungen und das Risiko, gehandelt, ökonomisch und sexuell ausgebeutet, rassistisch diskriminiert und somit Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt zu werden.

Seit 19. Februar 2005 ist der Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft als Straftatbestand im § 233 StGB geregelt. Damit folgt die deutsche Gesetzgebung den Vorgaben der EU - siehe rechtliche Grundlagen international

Auch im Jahr 2013, also acht Jahre nach Einführung des § 233 StGB, sind verhältnismäßig wenige Strafverfahren im Zusammenhang mit Menschenhandel zu verzeichnen, was vermutlich in erster Linie auf die immer noch aufenthaltsrechtlich prekäre Situation der Betroffenen zurückzuführen ist. Das Bundeslagebild Menschenhandel 2011 des BKA spricht von 32 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel zur Ausbeutung der ARbeitskraft. Bis jetzt kann also die Strafverfolgung in diesem Gebiet noch nicht als effektiv betrachtet werden.

Neben der Landwirtschaft ist der Haushalt ein verbreiteter informeller Arbeitsbereich für Frauen. Immer mehr Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa arbeiten als Dienstbotinnen, Kindermädchen, Putzfrauen, Haushaltshilfen und Pflegekräfte in privaten Haushalten, auch von Botschaftsangehörigen, in Deutschland. Da der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt für Migrantinnen außerordentlich eingeschränkt ist – siehe rechtliche Grundlagen Deutschland, ist die Arbeit im Haushalt eine der wenigen und gesellschaftlich abgewerteten, schlecht bezahlten Möglichkeiten für Migrantinnen. 
Nicht selten handelt es sich dabei um ein "halbfeudales" Arbeitsverhältnis, bei der die Bezahlung weniger durch Geld, sondern weitgehend durch freie Kost und Logis erfolgt. Der dauernde Zugriff auf die Arbeitskraft der Hausangestellten ist in dem Fall garantiert, wenn sie im Haushalt auch  wohnen. In diesem "privaten" Bereich sind dem/der Hausherrn/frau keine Grenzen gesetzt. Illegalisierter Status, fehlende Arbeitsrechte und die unproblematische Ersetzbarkeit der Hausangestellten bedingen, dass Bezahlung und Sicherheit nicht garantiert sind, und viele gehandelte Frauen in diesen Bereichen unter sklavenähnlichen Verhältnissen leben und arbeiten.  
Die Gefahr der Belästigung und sexualisierten Gewalt ist groß, denn diese findet  überall auf der Welt am häufigsten im privaten häuslichen Bereich statt. Sich zur Wehr zu setzen, ist sehr schwierig, da die Beweislast auf Seiten des Opfers liegt. Kommt der illegalisierte Status hinzu, hat sich die Frau nicht nur durch den unerlaubten Aufenthalt, sondern auch durch die Arbeitsaufnahme strafbar gemacht. Am Ende droht die Abschiebung. 

Die dreimonatige Bedenkzeit in § 59 Abs. 7 Aufenthaltsgesetz für Opfer von Menschenhandel plus die vorübergehende Aufenthaltserlaubnis in § 25 Abs. 4a Aufenthaltsgesetz bieten nur einen geringen Schutz. 

In Deutschland arbeiten immer mehr Frauen ohne Aufenthaltsrecht ungeschützt in diesem informellen Sektor. Einige sind gezwungen, stundenweise in mehreren (verschiedenen) Haushalten, Imbissen etc. zu arbeiten. Die Belastung durch den ständigen Arbeitsplatzwechsel schließt die Belastung durch ein Gefangensein in mehreren Abhängigkeiten mit ein. Der Verdienst ist äußerst gering, die Arbeitszeiten sind sehr lang. Die Vertretung ihrer Interessen ist  aufgrund ihrer rechtlosen Situation, ihrer Vereinzelung und Isolation besonders schwierig. 

Auch die Arbeit in der Prostitution ist eine weit verbreitete Form der Arbeitsmigration. In Deutschland gilt Prostitution seit 2002 nicht mehr als sittenwidrig und ist durch das ProstG gesetzlich geregelt. Jedoch agieren gerade in diesem Sektor weltweit Menschenhändler(ringe), die u. a. migrationswillige Frauen anwerben und in der Prostitution deren Arbeitskraft ausbeuten oder sie zur Prostitution zwingen. Da bisher im deutschen Strafrecht lediglich die Zuführung und der Zwang zur Prostitution erfasst waren (§§ 180 b, 181 StGB alt) und NGOs seit Jahren für Betroffene dieser Menschenrechtsverletzungen eintreten, ist auf dieser Internetseite der Frauenhandel in die Prostitution extra thematisiert und inhaltlich umfassend aufbereitet – Informationen hier.