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Frauen als Betroffene des Menschenhandels

Das Migrationsinteresse der Frauen - aus wirtschaftlichen, politischen, sozialen, gesellschaftlichen, familiären und/oder persönlichen Gründen - steht dem deutschen Ausländerrecht gegenüber: es existieren so gut wie keine Einreisemöglichkeiten zur Arbeitsaufnahme für MigrantInnen. 
Die Gründe für den Wunsch nach Migration sind sehr unterschiedlich. Frauen sind auf der Suche nach und in der Hoffnung auf bessere Lebensverhältnisse aufgrund der Verantwortung für ihre Familien und Kinder, für die sie oft alleine Sorge tragen. 

Die Situation in den Herkunftsländern bildet häufig den Ausgangspunkt für den entstehenden Migrationswunsch oder gar Migrationsdruck von Frauen: wirtschaftliche Misere, politische Situation, verursacht durch das herrschende Weltwirtschaftssystem. Die Folgen sind Armut, sinkende Reallöhne, Massenarbeitslosigkeit, keine soziale Absicherung, sexistische und rassistische Verfolgung. Frauen haben weniger Zugang zur Bildung und dementsprechend häufig keine Berufsausbildung. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind auch bei beruflicher Qualifizierung schlechter. Viele Frauen sind allein erziehende Mütter, d.h. die Väter haben sich jeglicher Verantwortung, nicht nur für die finanzielle Versorgung entzogen. Frauen sichern das ökonomische Überleben ihrer Familien. Nicht selten erwarten die Familien eine große finanzielle Unterstützung von der Tochter, Schwester, Mutter oder Tante, die in die Ferne gegangen ist, um Geld zu verdienen.

Frauen stellen mittlerweile die Hälfte der ca. 100 Mio. ArbeitsmigrantInnen weltweit. (lt. International Labour Organization (ILO)). Im Zielland arbeiten die Frauen dann zumeist im informellen Sektor wie Haushalt, Pflegebereich oder Sexgewerbe. Ihr Aufenthaltsstatus ist unklar bis illegal. 

Der geschlechtsspezifische Arbeitsmarkt drängt Frauen in die ungesicherten und ungeschützten Arbeitsverhältnisse im informellen Sektor. Sie müssen insbesondere ihre reproduktiven Fähigkeiten und sexuelle Dienstleistungen verkaufen - auf einem Arbeitsmarkt, der Frauen auch unter Bedingungen der Legalität meist nur die billigen und gesellschaftlich abgewerteten Arbeitsplätze zuweist.

Diese Ausgangslage begünstigt Frauenhandel. 
Aber- nicht jede Migrantin ist "gekauft" oder "gehandelt". 

Frauenhandel in die Prostitution

Im Bereich Prostitution planen viele Frauen für eine begrenzte Zeit in Deutschland zu arbeiten, in der Hoffnung, schnell und viel Geld zu verdienen, um bald wieder zurückzukehren. Manche haben schon im Herkunftsland als Prostituierte gearbeitet, andere nicht. 

Einige der Frauen werden unter falschen Versprechungen in ihrem Herkunftsland angeworben, ihnen wird ein gut bezahlter Job, z.B. als Kellnerin in Aussicht gestellt. Sie werden bewusst getäuscht und ihnen wird verschwiegen, dass sie in der Prostitution arbeiten sollen. In Deutschland werden sie mit verschiedenen Mitteln zur Prostitution gezwungen. Gesetzlich ist diese Form des Frauenhandels in die Prostitution als Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung strafrechtlich erfasst.

Eine andere Gruppe von Frauen, die direkt für die Prostitution im Zielland angeworben werden, wird mit falschen Versprechungen zu Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten getäuscht. Ein großer Teil des Verdienstes muss an die HändlerInnen abgeführt werden. Meist wird bei der Anwerbung eine sogenannte Vermittlungssumme von den/der HändlerIn veranschlagt, die angeblich schnell erwirtschaftet werden könne. Auch diese Form des Frauenhandels in die Prostitution ist gesetzlich als Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung erfasst. Die Grenzen zwischen Arbeitsmigration und Frauenhandel sind oft fließend. Betont sei an der Stelle noch einmal, dass immer das Moment des Zwangs und der Täuschung hinzukommen muss. Zwang kann auch Schuldknechtschaft bedeuten, d.h. solange die Schulden für die ”Vermittlung” nicht abbezahlt sind, wird die Frau selbst oder ihre Familie zu Hause massiv bedroht.

Die meisten Frauen sind gezwungen, ein Doppelleben zu führen, d.h. die Familie weiß über ihre hiesige Tätigkeit nicht Bescheid. Die gesellschaftliche Tabuisierung findet somit ihre Entsprechung auch innerhalb der Familie. Ein großer Teil der Frauen ist weder über die ausländerrechtlichen Konsequenzen ihrer Handlungen informiert, noch über die harten Arbeits- und Lebensbedingungen. Oft sind die Etablissements heruntergekommen, die Arbeitsbedingungen gesundheitsschädigend. Viele Frauen arbeiten isoliert von der Außenwelt und können ihren Arbeitsplatz nur sehr selten verlassen. Hohe Kosten für die Zimmermiete, die RechtsanwältInnen, die HändlerInnen etc. verhindern den erhofften Verdienst. Ihre Rechtlosigkeit verbunden mit fehlenden Informationen und Sprachkenntnissen begünstigt die Ausbeutung. Illegalisiert hier zu arbeiten, heißt unter hohem Druck zu stehen, in ständiger Angst vor einer Polizeikontrolle bzw. Razzia.