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LG Koblenz, Urteil vom 11.6.2024
Aktenzeichen: 14 Ks 2010 Js 74417/23
Stichpunkte
Entscheidung im Strafverfahren wegen gemeinschaftlichen Mordes an einer Zwangsprostituierten; Systematische massive Misshandlung, Zwang und Ausbeutung über Jahre; Freiheitsberaubung mit Todesfolge; Lebenslange Freiheitsstrafen
Zusammenfassung
Das Landgericht (LG) verurteilt zwei Angeklagte wegen gemeinschaftlichen grausamen Mordes aus niedrigen Beweggründen, der besonders schweren Zwangsprostitution sowie der Freiheitsberaubung mit Todesfolge. Die Kammer stellt außerdem die besondere Schwere der Tat fest.
Die als Paar liierten Angeklagten A. und K. hatten die Geschädigte Y. über Jahre systematisch ausgebeutet, massiv misshandelt und sie schließlich vorsätzlich und grausam getötet. Während der Beweisaufnahme konnte nicht eindeutig geklärt werden, wann und unter welchen Umständen die Geschädigte Y. erstmals in der Prostitution arbeitete. Ab 2016 jedoch übten die Angeklagten, die mit der Y. in einer Wohnung zusammen lebten, gemeinsam massiven Zwang auf diese aus und nahmen ihr jede Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit. Sie organisierten die Prostitutionstätigkeit der Y., die ihre Einnahmen vollständig abgeben musste. Sie wurde kontrolliert, eingeschüchtert und bei vermeintlichem Fehlverhalten schwer misshandelt. Die Angeklagten hatten ihr den Pass weggenommen, überwachten sie ständig und sperrten sie ein, um eine Flucht zu verhindern. So schufen sie eine umfassende Zwangs- und Angstatmosphäre, um Y. zur Fortsetzung der Prostitution zu zwingen. Im Frühjahr 2023 versuchte die Y. vergeblich, sich den Angeklagten durch Flucht zu entziehen, woraufhin die Misshandlungen zunahmen. A. und K. fügten ihr zahlreiche massive Knochenbrüche und Verbrennungen zu und straften sie mit Nahrungsentzug. Die Knochenbrüche und Verletzungen wurden nie ärztlich behandelt. Trotz der Schmerzen musste die Y. weiterarbeiten, wobei aufgrund ihres Zustandes aber keine Kunden mehr kamen, was die Angeklagten zur Forcierung ihrer Misshandlungen veranlasste. Gleichzeitig demütigten sie die Y. indem sie Fotos von ihr anfertigten.
Im Herbst 2023 starb die Y. an den Folgen der Misshandlungen.
Kernpunkte
Freiheitsberaubung mit Todesfolge
Entscheidung im Volltext: