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BKA-Lagebild zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland 2020 veröffentlicht

Laut „Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung“ des Bundeskriminalamts haben im vergangenem Jahr die Ermittlungsverfahren deutlich zugenommen, insbesondere Verfahren wegen Arbeitsausbeutung und Ausbeutung von Minderjährigen. Prozentual stiegen die Ermittlungen um 22,7 % zum Vorjahr, mit insgesamt 465 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel und Ausbeutung im Jahre 2020.

Schwerpunkt der polizeilichen Ermittlungen sind nach wie vor Vergehen wegen sexueller Ausbeutung, v.a. im Bereich der Sexarbeit, wie Zwangsprostitution und Ausbeutung von Prostituierten. In diesem Bereich wurden zunehmend jüngere Betroffene als im Vorjahr identifiziert. Auffällig ist auch der starke Anstieg der Ausbeutung von Minderjährigen sowie sexuelle Missbrauchshandlungen, welche verstärkt über Internetplattformen organisiert wurden und sich vermutlich auch als Folge der Beschränkungen der COVID-19-Pandemie stärker ausprägen konnten. Die pandemiebedingten Entwicklungen verringerten gleichzeitig die Kontroll- und Aufdeckungsmöglichkeiten der Ermittlungsbehörden sowie den Zugang zu Beratungs- und Hilfestrukturen.

Im aktuellen Bericht wurde erstmalig erhoben, bei welchen Arten von Dienststellen die Fälle bearbeitet und abgeschlossen wurden. Etwas mehr als die Hälfte der Verfahren wurde von spezialisierten Fachdienststellen für Menschenhandel geführt. Trotz Zunahme der polizeilichen Ermittlungsverfahren wird weiterhin davon ausgegangen, dass eine hohe Zahl an Straftaten im Bereich Menschenhandel und Ausbeutung unentdeckt bleibt.

Das Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung 2020 beschreibt die aktuellen Erkenntnisse zur Lage und Entwicklung in den Bereichen Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland im Sinne des Strafgesetzbuchs (StGB). Die Aussagen basieren auf den Meldungen der Landeskriminalämter (LKÄ), des Bundeskriminalamts (BKA), der Bundespolizei (BPol) und des Zolls zu den im Berichtsjahr in Deutschland abgeschlossenen polizeilichen Ermittlungsverfahren in den betreffenden Deliktsbereichen mit Tatorten in Deutschland.