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Daten / Zahlen / Fakten

Zur Problematik gesicherter Zahlen

Die Datenlage zum internationalen Ausmaß der Betroffenen des Menschenhandels ist sehr lückenhaft. Für Deutschland werden die einzig zuverlässigen Zahlen durch ein jährlich erscheinendes „Bundeslagebild Menschenhandel“ des Bundeskriminal­amtes (BKA) ermittelt, das jedoch lediglich einen Überblick über die Zahlen der abgeschlossenen Ermittlungs­verfahren ermöglicht. Die Aussagekraft der Kriminalitätsstatistik bezogen auf die reale Situation ist daher eher gering, das Dunkelfeld vermutlich sehr hoch. Wie Informationen der Fachberatungs­stellen belegen, kommt es nicht bei allen Fällen von Menschenhandel zur Einleitung eines Strafverfahrens oder gar zu einem Abschluss, zudem tätigen die KlientInnen teils keine Aussage bei den Strafverfolgungsbehörden. Zudem kommen Fälle von Menschenhandel, die gar nicht als solche identifiziert werden und so auch nicht mal in Beratungsstellen ankommen.

Die Situationseinschätzung namhafter Organisa­tio­nen variiert stark, je nachdem, wie weit oder eng die Definition von „Menschenhandel“ gehandhabt wird. Schätzungen der International Labour Organisation (ILO 2012) gehen von weltweit 18,7 Millionen Menschen in Zwangsarbeitsverhältnissen aus, die in der Privatwirtschaft ausgebeutet werden. Davon seien 4,5 Millionen Personen (22%) von sexueller Ausbeutung und 14,2 Millionen (68%) von Arbeitsausbeutung betroffen. Über die Hälfte der Betroffenen sind Frauen und Mädchen (55%), 45% Männer und Jungen. UNODC (2014) spricht hingegen davon, dass 53% aller identifizierten Fälle des Menschenhandels auf kommerzielle sexuelle Ausbeutung abzielen. Die Schätzungen, welchen Anteil davon Frauen als Betroffene ausmachen, bewegen sich in den gängigen internationalen Studien zwischen mindestens 55% und 80%. In diesem Rahmen bewegen sich auch die im Frühjahr 2014 von der Europäischen Kommission veröffentlichten Eurostat Statistiken, die von 67% Frauen, 13% Mädchen, 17% Männern und 3% Jungen als mutmaßliche oder identifizierte Betroffene des Menschenhandels in der EU sprechen. Die Statistiken zeigen für den Zeitraum 2010 bis 2012 insgesamt 30 146 Betroffene des Menschenhandels in der EU. Demnach ist für diesen Zeitraum ein Anstieg der Betroffenenzahlen um 28% zu verzeichnen. Dies könne laut Eurostat unter anderem auch auf eine breitere Definition von Menschenhandel in den nationalen Gesetzgebungen der EU-Mitgliedstaaten zurückgeführt werden. Die EU-Kommission selbst verweist ebenfalls auf die mutmaßlich hohe Dunkelziffer und warnt vor einer unbedachten Interpretation der veröffentlichten Zahlen. 

Als unbestritten gilt hingegen, dass der Menschen­handel weltweit der am schnellsten wachsende Kriminalitätsbereich ist (siehe z.B. UNHCR 2010).

Verlässliche Statistiken sind wichtig, vor allem für die Lenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit auf brisante Probleme. Doch je größer das Ausmaß des Problems, desto bedenkenloser wird es von Presse, Medien und auch in akademischen Kontexten verbreitet, was viele dazu hinreißt, sich immer auf die höchsten gefundenen Zahlen zu beziehen, ungeachtet der Qualität der Quelle. Andererseits besteht das Risiko, dass fehlende Daten zum Ausmaß des Menschenhandels  zu einer Relati­vierung des Pro­blems führen können. Hält man sich jedoch die Tatsache vor Augen, dass hinter jeder Zahl eine reale Person in Not steht, wird deutlich, dass die Notwendigkeit zum Handeln sich nicht allein aus der Höhe der (konstruierten) Betroffenenzahlen ergibt, sondern bereits in Einzelfällen gegeben ist.

Zu verschiedenen Statistiken und Berichten zu Menschenhandel siehe auch Statsitiken/Berichte in der Rubrik Medien/Materialien.

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