Bereits seit 2012 befasst sich der KOK e.V. intensiv mit den Themen Datenerhebung zu und Datenschutz für Betroffene von Menschenhandel. Vor dem Hintergrund internationaler Empfehlungen sowie dem Anliegen, die zivilgesellschaftliche Arbeit mit Betroffenen von Menschenhandel zu dokumentieren als auch mit dem Anspruch, die Wahrung ihrer Rechte zu stärken, entwickelte der KOK e.V. ein Tool zur Erhebung von Daten zu Menschenhandelsfällen seiner Mitgliedsorganisationen. Ziel ist die Bewertung der Maßnahmen gegen Menschenhandel und zum Schutz der Betroffenen aus menschenrechtlicher Perspektive.

Datenerhebung zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland

Im Oktober 2021 veröffentlichte der KOK seinen 2. Bericht zur Datenerhebung im Themenfeld Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland. Der Bericht beinhaltet eine erste Auswertung des KOK-Datentools mit über 700 Fällen von Menschenhandel und Ausbeutung, die zwischen Januar 2020 und Ende Juni 2021 eingegeben wurden. Im Vergleich zu dem jährlich vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Lagebild Menschenhandel zeigen sich deutliche Unterschiede, z.B. bei den Hauptherkunftsländern der Betroffenen.

Der vorliegende Bericht liefert einen wesentlichen Beitrag zur Wissenserweiterung zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland durch bisher nicht systematisch zusammengeführte Datenerhebung zu den Rechten der Betroffenen und der Arbeit der Unterstützungsstruktur für Betroffene von Menschenhandel.

Der Bericht kann online als PDF eingesehen und heruntergeladen werden. Printausgaben können in der Geschäftsstelle des KOK bezogen werden.

Defining the Gap: Datenerhebung zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland - der zivilgsellschaftliche Ansatz des KOK

Zum europäischen Tag gegen Menschenhandel 2020 veröffentlichte der KOK seinen ersten Bericht zur Datenerhebung im Themenfeld Menschenhandel in Deutschland. Darin wurde zunächst der partizipative, zivilgesellschaftliche Ansatz der Datenerhebung des KOK vorgestellt1, der den Fokus auf die soziale und rechtliche Lage der Betroffenen von Menschenhandel und Ausbeutung legt. Insbesondere die internationalen und nationalen Entwicklungen der Menschenhandelspolitiken und die – vielfach problematische – Verstrickung von Datenpolitik, Migration und Menschenhandel wurden in dem Bericht ausführlich diskutiert. Zudem stellte er die Entwicklung des KOK-Datentools vor, die von folgender Fragestellung geleitet und begleitet wurde: Wie können Daten erhoben und ausgewertet werden, die den Zugang zu Rechtsansprüchen für Betroffene dokumentieren und kritisch begleiten und gleichzeitig das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Betroffenen und den Schutz der Vertraulichkeit durch die Berater*innen garantieren.

Der Bericht kann als online als PDF eingesehen und heruntergeladen werden.

datACT - data protection in anti-trafficking action

 

Das von KOK e.V. und La Strada International (LSI) durchgeführte Projekt datACT - data protection in anti-trafficking action erstreckte sich von November 2012 bis Januar 2015 und hatte zum Ziel, persönliche Daten und die Privatsphäre von Betroffenen von Menschenhandel in Deutschland und anderen europäischen Ländern zu schützen sowie ihre Rechte als Datensubjekte zu stärken. datACT verfolgte durch Forschung, internationale Vernetzung, Trainings und Öffentlichkeitsarbeit die Umsetzung dieser Ziele.

Ergebnisse und Materialien des Projekts datACT:

  • Claudia Aradau - King’s College London

  • Alexander Dix - Berliner Datenschutzbeauftragter

  • padeluun - Digital Courage

  • Werner Hülsmann - Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung

  • Projektkoordinatorin Bärbel Heide Uhl

  • Gulnara Shahinian - UN Sonderberichterstatterin über zeitgenössische Formen der Sklaverei

  • TeilnehmerInnen eines Workshops

  • Thilo Weichert - Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holstein

  • Podiumsdiskussion: Entwicklungen im europäischen Datenschutz und die Rechte von marginalisierten Gruppen

  • Maria Giovanna Manieri - PICUM

  • Podium: Datensammlung, Identifizierung Betroffener von Menschenhandel und das Recht auf Privatsphäre

  • Jan van Dijk - Tilburg University

  • Birgit Schweikert - BMFSFJ

  • Marjan Wijers - Europäische Menschenrechtsexpertin

  • Julia Planitzer - Boltzmann Institut für Menschenrechte

  • Marieke van Doorninck - La Strada International

Internationale Konferenz: "Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung für marginalisierte Gruppen: eine neue Herausforderung in der Politik zur Bekämpfung des Menschenhandels“

 

Vom 25. bis 27. September 2013 organisierte datACT die internationale Konferenz "Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung für marginalisierte Gruppen: eine neue Herausforderung in der Politik zur Bekämpfung des Menschenhandels“. Geladen waren internationale ExpertInnen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, um über aktuelle Herausforderungen im Bereich des Datenschutzes für Betroffene von Menschenhandel zu diskutieren. Zentrales Thema der Veranstaltung war der Datenschutz als neue Herausforderung in internationalen und regionalen Politiken zur Bekämpfung des Menschenhandels. In einem Einführungsgespräch, vier Podiumsdiskussionen und Workshops diskutierten die TeilnehmerInnen unter anderem über die Zusammenhänge von Datenerfassung und dem Schutz von Betroffenen, aktuelle datenschutzrechtliche Entwicklungen auf europäischer Ebene, die Rolle der Fachberatungsstellen bei der Einrichtung einer Berichterstattungsstelle zu Menschenhandel sowie über die informationelle Selbstbestimmung von Betroffenen des Menschenhandels.

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl der gehaltenen Vorträge. Da vor Ort Deutsch-Englische Simultanübersetzung angeboten wurde, sind die Präsentationen jeweils nur auf Deutsch oder Englisch verfügbar.

 

Mittwoch 25. September 2013

Eröffnung

Ulrike Hiller, Staatssekretärin, Bevollmächtigte der Freien Hansestadt Bremen beim Bund und für Europa
Bärbel Heide Uhl (Koordinatorin datACT):Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung für marginalisierte Gruppen: eine neue Herausforderung in der Politik zur Bekämpfung des Menschenhandels

 

Podiumsgespräch: Datenschutz, Menschenrechte und die Politik zur Bekämpfung des Menschenhandels: eine neue Herausforderung im digitalen Zeitalter?

Gulnara Shahinian (UN Sonderberichtserstatterin über zeitgenössische Formen der Sklaverei): Data Protection and right to privacy of marginalized groups
Thilo Weichert (Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holstein): Datenschutz, Menschenrechte und die Politik zur Bekämpfung des Menschenhandels: eine Herausforderung im digitalen Zeitalter
Marjan Wijers (Europäische Menschenrechtsexpertin, Niederlande): Where do all the data go? European data protection law and the protection of personal data of trafficked persons
Moderation: Ulrike Gatzke

 

Donnerstag 26. September 2013

Keynote

Claudia Aradau (King’s College London, Department of War Studies): Human trafficking between data and knowledge

Podium I: Entwicklungen im europäischen Datenschutz und die Rechte von marginalisierten Gruppen

Julia Planitzer (Boltzmann Institut für Menschenrechte): Protection of Private Life Art. 11 Council of Europe Convention on Action against THB
Maria Giovanna Manieri (PICUM): EUROSUR, Surveillance Technologies and Migrants’ Rights
Moderation: Susanne Schatral (Universität Bremen)

PodiumII: Zwischen Zugang zu Unterstützungsstrukturen und Erfassung der Daten von Betroffenen: Datensammlung, Identifizierung Betroffener von Menschenhandel und das Recht auf Privatsphäre

Jan van Dijk (Tilburg University):Identifying THB Victims
Bas de Visser (CoMensha): CoMensha, La Strada the Netherlands
Lucie Otáhalová (La Strada Tschechische Republik): Challenges in data protection for counselling centres
Naile Taniş (KOK): Datensammlung in Deutschland aus der Perspektive der Zivilgesellschaft
Maya Indira Ganesh, (Tactical Technology Collective): Tactical Technology Collective
Moderation: Suzanne Hoff, La Strada International

 

Freitag 27. September

Podium III: Nationale Berichterstattungsstellen zu Menschenhandel oder vergleichbaren Mechanismen (NBVM): 'good practice' im Datenschutz

Corinne Dettmeijer-Vermeulen (Niederländische Berichterstatterin Menschenhandel): National Rapporteur on Trafficking in Human Beings and Sexual Violence against Children in the Netherlands
Rita Penedo (Observatory on Trafficking in Human Beings, Portugal): Observatory on Trafficking in Human Beings
Nadia Kozhouharova (Animus Association/La Strada Bulgarien): The Role of Civil Society in Data Collection in Bulgaria
Birgit Schweikert (BMFSFJ): Nationale Koordinierung und Berichterstattung „Menschenhandel“ in Deutschland – aktuelle Situation und Überlegungen
Moderation: Jacqueline Berman (Mathematica Policy Research)

Podium IV: Das Recht auf Privatsphäre für marginalisierte Gruppen? Strategien und Herausforderungen

Marieke van Doorninck (La Strada International): Zivilgesellschaft und kritische Diskurse zur Bekämpfung von Menschenhandel in Europa
Alexander Dix (Berliner Datenschutzbeauftragter): „Privacy by Default“ und „Privacy Impact Assessments“ bei der Bekämpfung des Menschenhandels
padeluun (Digital Courage): Allianzen für den Datenschutz
Werner Hülsmann (Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung): Allianzen der Zivilgesellschaft zur Stärkung des Datenschutzes in Europa
Moderation: Klara Skřivánková, Anti-Slavery International

Praxisleitfaden "Herausforderungen des Datenschutzes in der Politik gegen Menschenhandel"

 

Die Studie "Herausorderungen des Datenschutzes in der Politik gegen Menschenhandel - Ein Praxisleitfaden" gibt einen Überblick über die europäischen Datenschutzgesetzgebung, Methoden zur Datensparsamkeitsanalyse für Fachberatungsstellen, eine Analyse von Datenschutzrechten für Betroffene von Menschenhandel sowie die Datenschutzstandards für die Arbeit der Fachberatungsstellen. Darüber hinaus bietet der Praxisleitfaden eine Erörterung der rechtlichen Argumente, die 2013 zum Scheitern des niederländischen Vorhabens zur Meldepflicht von Prostituierten führte.

Die Studie als PDF in Deutsch und in Englisch.

Datenschutzstandards für spezialisierte NRO-Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel

 

Zur Verbesserung bestehender Datenschutzverfahren entwickelte datACT von 2013 bis 2015 Standards, die eine solide Basis zur Sicherung der Rechte von Datensubjekten schaffen sollen. Darauf aufbauend wurden diese Verfahren anhand der Rückmeldungen und Erfahrungen von Praktiker*innen und Datenschutzexpert*innen analysiert und getestet.

Die Standards entstanden in enger Kooperation mit den 37 Mitgliedsorganisationen des KOK e.V. und den acht europäischen Partnerorganisationen von La Strada International. So wurden auf den regelmäßig stattfindenden Mitgliederversammlungen und Netzwerktreffen in Form von Workshops die jeweiligen Entwürfe der Standards mit den Fachberatungsstellen diskutiert und Veränderungen vorgenommen.

Vom 25. bis zum 27. September fand im Rahmen von datACT in Berlin die europäische Konferenz "Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung für marginalisierte Gruppen: eine neue Herausforderung in der Politik zur Bekämpfung des Menschenhandels". Die Konferenz brachte erstmals Datenschutzaktivist*innen und Mitarbeiter*innen aus NROs zur Bekämpfung des Menschenhandels zusammen, um gemeinsam über die Konsequenzen und Herausforderungen im Datenschutz für Betroffene von Menschenhandel zu diskutieren und gemeinsam an Standards für europäische NROs zu arbeiten. Die Ergebnisse dieser Konferenz flossen in die Konzeptionalisierung der Standards ein.

 

Einverständniserklärung zur Veröffentlichung und Weitergabe personenzogener Daten und Informationen

 

Der KOK e.V. hat im Rahmen des Projekts datACT zusammen mit Datenschützern des Forums Informatiker*innen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) 2014 eine Einverständniserklärung zur Datensammlung und Datennutzung für Betroffene von Menschenhandel konzipiert. Sie informiert Betroffene über ihre Rechte auf Privatsphäre und Schutz ihrer Daten. Die Einverständniserklärung soll als Vorlage für die praktische Beratungsarbeit dienen und den Beratungsprozess unterstützen.

Auf Nachfrage von Mitgliedsorganisationen des KOK wurde die Erklärung in Leichte Sprache übersetzt und ist als PDF-Version zum Download verfügbar.

Hier finden sie die Einverständniserklärung zur Veröffentlichung und Weitergabe personenbezogener Daten und Informationen.

Eine Version in Leichter Sprache steht Ihnen hier zur Verfügung.

Eine Version auf Englisch kann hier heruntergeladen werden.

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