Ukraine-Projekt des KOK e.V.

Infolge des Kriegsausbruchs in der Ukraine sind seit Februar 2022 tausende Menschen nach Deutschland geflohen. Es entspricht den Erfahrungen aus der Praxis der spezialisierten Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel, dass humanitäre Krisen das Risiko für Ausbeutung und Menschenhandel ansteigen lassen. Insbesondere alleinstehende Frauen*, unbegleitete minderjährige Personen und junge Erwachsene, Geflüchtete mit Behinderung, ältere und kranke Menschen ohne soziale Netze gehören zu den vulnerablen Gruppen.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen wurde unmittelbar nach Kriegsausbruch die präventive Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu Menschenhandel intensiviert. Niedrigschwellige Informationen zu Handlungsmöglichkeiten und Aufklärung über die Rechte Betroffener von Menschenhandel wurden und werden an Schutzsuchende bereitgestellt und Webseminare, in denen Helfer*innen ihr Wissen über den Opferschutz vertiefen können, angeboten. Das zivilgesellschaftliche Engagement war und ist hoch. Anders als bei Geflüchteten aus anderen Ländern wurden ukrainischen Geflüchteten infolge der erstmaligen Anwendung der EU-Richtlinie zum vorübergehenden Schutz (RL 2001/55/EG) mit § 24 AufenthG Ansprüche auf einen legalen Aufenthalt in Deutschland, Unterbringung, soziale Leistungen, medizinische Versorgung sowie den Zugang zum Arbeitsmarkt und Bildung gewährleistet. Bisher gibt es nicht viele von der Polizei bestätigte Fälle von Menschenhandel im Kontext des Ukrainekriegs, allerdings verstärken sich die Anzeichen, dass zumindest vielfach versucht wird, die Not der Schutzsuchenden auszunutzen. Es bleiben viele Frage offen: Welche Präventionsmaßnahmen und Projekte sind/ waren besonders wirkmächtig, um potentiell Betroffene zu sensibilisieren? Inwieweit wurden bereits bestehende Kooperationsstrukturen für aus der Ukraine geflüchtete Personen aktiviert und intensiviert? Wie wird sich zukünftig die Gefährdungslage der Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, entwickeln?

Der KOK führt seit Mitte August ein vom BMFSFJ gefördertes Projekt zur Sensibilisierung, Prävention und Stärkung von Kooperationsstrukturen für Betroffene von Menschenhandel speziell mit Blick auf Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland durch. Ziel des Projektes ist es, den Status Quo abzubilden sowie die Herausforderungen und etwaige Bedarfe zu identifizieren, um notwenige, mittel- und langfristige Maßnahmen zum Schutz gegen Menschenhandel zu benennen. Hierfür werden spezialisierte Fachberatungsstellen zu ihren Erfahrungen der vergangenen Monate befragt und Informationen über die Bedarfe von Geflüchteten gebündelt.

Projektreferentin: Sophia Härtel (s.haertel(at)kok-buero.de)

Publikationen des KOK-Projektes zur Ukraine

Im Rahmen des Projektes zur Sensibilisierung, Prävention und Stärkung von Kooperationsstrukturen für Betroffene von Menschenhandel speziell mit Blick auf Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland hat der KOK eine Reihe an Publikationen und Informationsmaterial erstellt.

Menschenhandel und Ausbeutung im Kontext des Ukrainekrieges – Eine Untersuchung aus Sicht spezialisierter Fachberatungsstellen zur Situation in Deutschland

Im Rahmen der Untersuchung wurden Fachberatungsstellen (FBS) zu ihren Erfahrungen mit potentiell betroffenen Geflüchteten aus der Ukraine der letzten Monate befragt. Die Ergebnisse bilden einerseits die in Deutschland etablierten Maßnahmen zur Sensibilisierung und Prävention von Menschenhandel ab. Andererseits werden aktuelle Bedarfe von Fachberatungsstellen benannt.

Menschenhandel und Ausbeutung im Kontext des Ukrainekrieges – Eine Untersuchung aus Sicht spezialisierter Fachberatungsstellen zur Situation in Deutschland

Zusammenfassung des KOK Ukraine-Berichts

Flyer Spezialisierte Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel

Im Rahmen des KOK Ukraine-Projektes wurde der Übersichtsflyer der im KOK vernetzen spezialisierten Fachberatungstellen in Russisch, Ukrainisch und Vietamesisch übersetzt.

Sensibilisierungskampagne für privatuntergebrachte Geflüchtete

Humanitäre Krisen und Kriege machen Menschen vulnerabler für Ausbeutung und Menschenhandel. Der KOK hat spezialisierte Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel befragt und deren Erfahrungen zu Risiken bei privater Unterbringung gesammelt.

Die Social-Media Kampagne soll eine Sensibilisierung für die private Unterbringung von ukrainischen Geflüchteten und die damit verbundenen Risikofaktoren erreichen. Die Kampagne richtet sich an privat untergebrachte Geflüchtete und soll Unterstützungsangebote für potentiell Betroffene von Ausbeutung und Menschenhandel vermitteln.

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KOK - Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.
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E-Mail: info@kok-buero.de