Hintergründe

Frauen migrieren aus wirtschaftlichen, politischen, sozialen, gesellschaftlichen, familiären und/oder persönlichen Gründen. Sie verlassen ihren Herkunftsort in der Hoffnung auf bessere Lebensverhältnisse und aufgrund der Verantwortung für ihre Familien und Kinder, für die sie oft alleine Sorge tragen. 

Die Ursachen für die Motivation der Frauen zu Migration sind vielfältig und zum größten Teil auch durch ihre geschlechtsspezifische Situation im Heimatland begründet:

  • Die Arbeitslosigkeit von Frauen ist häufig sehr hoch. Der Zugang zu Arbeit und Ausbildung ist z.T. auch aus geschlechtspezifischen Gründen erschwert. Die Entlohnung von Frauen liegt häufig im sehr niedrigen Bereich. Im krassen Gegensatz dazu steht die steigende Verantwortung der Frauen für das finanzielle Überleben ihrer Familien, Kinder und Angehörigen. 
  • Durch das z.T. nicht vorhandene oder sehr schwache soziale System entstehen existenzielle Nöte, Zukunftsängste. Ein großer Teil der Verantwortung für Familien und Kinder wird auf Frauen abgewälzt. 
  • Gewalt, Suchterkrankungen usw. in engen persönlichen Beziehungen sind vielfach Gründe für Frauen, ihr Umfeld und ihr Herkunftsland verlassen zu wollen.

Wenn wir uns also die Situation und die Perspektiven der Frauen betrachten, so ist deutlich, dass sie ggf. auch eine Heirat stärker in Betracht ziehen, weil sie bessere Lebensbedingungen suchen. Vor diesem Hintergrund fällt es den Tätern - und Täterinnen - leicht, Frauen mit falschen Versprechungen zu ermuntern, z.B. nach Deutschland zu migrieren, um sie dort in Ehen oder ausbeuterische Arbeitsverhältnisse zu zwingen.

Eine Studie des Frauenkrisenzentrums St. Petersburg aus dem Jahr 1999 zeigt auf, dass von 1.200 befragten Frauen im Alter von 13-30 Jahren 64% vorhaben, im Ausland zu arbeiten und 32 % der jungen Frauen und Mädchen einen Mann aus einem anderen als ihrem Herkunftsland heiraten wollen. Dabei äußerten diesen Heiratswunsch diejenigen, die im Ausland arbeiten möchten, dreimal häufiger als die, die nicht arbeiten möchten. „Häufig wenden die Frauen eine Mehrfaktoren-Strategie an, um ins Ausland zu gelangen und das leitende Motiv je nach den Umständen dynamisch zu verändern.“ Eine wirtschaftlich stabile Lage wurde mit 40% als häufigstes Merkmal für das zu wählende Zielland gewählt, das Bestreben, einen Mann eines anderen, meist westeuropäischen Landes zu heiraten, lässt sich also häufig als Begleitstrategie zur Verbesserung der materiellen Lage feststellen. 
(Quelle: Dokumentation der Fachtagung von Vera Magdeburg, Fachberatungsstelle für Betroffene von Frauenhandel, 2003)

Die Migration von Frauen ist jedoch nicht allein auf ökonomische Ursachen zurückzuführen. Schwierigkeiten in der Familie, Gewalterfahrungen, der Wunsch nach Selbstbestimmung, Träume, Liebe und ein paradiesisches Bild von Europa, vermittelt auch durch (Sex-)Touristen sind weitere Gründe. 

Den Migrationsbewegungen begegnen die reichen Industrienationen mit einer fortwährenden Verschärfung der Einreisebestimmungen. Die fehlenden legalen Einwanderungsmöglichkeiten nach Deutschland begünstigen Menschenhändler bei der Rekrutierung von Frauen. Für z.B. Frauen aus Südostasien ist die Heiratsmigration der oft einzige Weg, um die wirtschaftlich starken Länder Europas zu erreichen. 
Heiratsmigration und Heiratshandel lassen sich nicht immer klar voneinander abgrenzen. Es gibt Frauen, die in ihrem Herkunftsland ihren Ehemann kennen lernen, mit ihm nach Deutschland kommen und hier leben, andere wiederum heiraten hier, nachdem sie als Studentin, Touristin,  Asylsuchende, etc. hierher gekommen sind. Nicht selten nutzen Frauen bei der Partnersuche Agenturen, Kataloge, Internet- und Kontaktanzeigen, etc. Die Inanspruchnahme einer Heiratsagentur kann der erfolgreiche Weg zu einer glücklichen Partnerschaft und/oder eine Migrationsstrategie sein. Sie kann aber auch zu einem Leben in völliger Abhängigkeit vom Ehemann und/oder zur brutalen Ausbeutung einer Frau führen.

Wären legale Möglichkeiten der Migration oder Arbeitsmigration gegeben, würden sicherlich mehrere Frauen hinsichtlich einer Eheschließung vorsichtiger sein, sie vielleicht sogar ausschließen.

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